Hat ForeverGreen Jörg Wittke gekündigt?

Joerg-Wittke-2016

Das MLM-Unternehmen ForeverGreen hat in der letzten Maiwoche 2016, scheinbar das Vertragsverhältnis mit Jörg Wittke gekündigt, der erst im November 2014 nach einem Wechsel von Adonia bei ForeverGreen startete. Zumindest sollen alle Positionen gesperrt worden sein.

Webinaris
Klick Tipp

Eigenen Bekenntnissen nach sollte ForeverGreen das letzte MLM-Unternehmen werden, in dem Wittke sich engagieren wollte. Kritiker haben allerdings bereits beim Einstieg von Jörg Wittke den vermeintlichen Wechsel oder Ausstieg beschworen und so scheint es zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung gekommen zu sein.

Dem MLM-Leader wird vorgeworfen Vertriebspartner für ein anderes Unternehmen abgeworben zu haben, was dieser jedoch verneint. Ob ForeverGreen die Kündigung oder Sperrung der Accounts auch wegen eines bestehenden „Moneydeals“ ausgesprochen hat, der eine entsprechende vertragliche Exklusivität nur für ForeverGreen tätig sein zu dürfen, beinhalten könnte und eine Laufzeit bis zum Herbst 2016 haben soll, ist schleierhaft, aber möglich.

Seit rund drei Monaten soll Jörg Wittke parallel zu ForeverGreen im Vertrieb für ein „Kryptosystem“ tätig sein, wobei wohl einige ehemalige ForeverGreen-Vertriebspartner, aus der „Krypto-Downline“ von Jörg Wittke, durch plumpe Abwerbeversuche in den ForeverGreen-Organisationen, den Stein ins Rollen gebracht haben. Aufzeichnungen von mehreren „Onlinecalls“, sollen als Beweismittel vorliegen, die dann wohl zur Sperrung der Accounts führten.

Zehn Jahre voller Turbulenzen und zahlreicher Wechsel

Die letzten zehn Jahre waren für den MLM-Profi Wittke, der immer gut dafür ist, aus dem Stand heraus Millionenumsätze zu generieren, äußerst turbulent. Im September 2006 wurde Jörg Wittke vom ehemaligen Geschäftsführer von Forever Living Products, Thomas Reichert, ohne Vorwarnung auf scheinbare Intervention der Upline gekündigt, wie man munkelt.

Bei FLP baute er eine Organisation auf, die in kürzester Zeit zweistellige Millionenumsätze erzielte. Das frei gewordene Umsatzvolumen ist durch die Kündigung zur Upline gerutscht, die teilweise noch heute von den damals kritisierten „Keiler-Umsätzen“ in Millionenhöhe profitiert.

Der fliegende Wechsel von Forever Living Products zu Xango von 2006 bis 2008 hat sich als Desaster erwiesen, da Xango nichts weiter war als ein Copycat-Unternehmen, gegründet von ehemaligen Mitarbeitern von Tahitian Noni, das ebenfalls aus Utah stammt. Gleiche Geschichte, gleicher „Bug“ im Vergütungsplan, keine zugelassenen Produkte und ein schneller Zerfall der Organisationen waren das Ergebnis.

Der Start bei Nova Nutria in 2008 stand ebenfalls unter keinem guten Stern und die Episode fand 2009 mit einer Abmahnschlacht zwischen Wittke und Dragan Manzano ein jähes Ende. Das Unternehmen Nova Nutria ist so schnell vom Markt verschwunden, wie es aufgetaucht ist.

Es folgte ein Wechsel zu Dubli und auch hier war das Vertriebsduo Schmitz & Wittke für zweistellige Millionenumsätze in kürzester Zeit gut. Schmitz blieb bei Dubli, während Jörg Wittke im Oktober 2013 bei Adonia startete, wo es allerdings nur ein kurzes Gastspiel gab.

Nur zwölf Monate später, im November 2014 gab Jörg Wittke seinen Start bei ForeverGreen bekannt. Es sollte die Revolution im Vertrieb werden, das ultimative „Millionending“ für die Rente. Ein Traum, der nun Ende Mai 2016 scheinbar von ForeverGreen beendet wurde und gegebenenfalls zu weiteren Rechtsstreitigkeiten führen könnte.

Wie oft dürfen Führungskräfte eigentlich wechseln?

Das Phänomen Wittke ist vielleicht stellvertretend für den Wandel, der gerade im Network Marketing stattfindet. Führungskräfte wechseln immer schneller und immer häufiger und wer ein wenig hinter die Kulissen der Branche schaut, wird feststellen, dass auch andere bekannte „Heavy-Hitter“ oder MLM-Prominenz bereits mehrfach in den letzten zehn Jahren das Unternehmen gewechselt haben, bis der Durchbruch kam oder das Unternehmen als Vertragspartner ein entsprechendes Fundament gelegt hat, das auf Langfristigkeit ausgerichtet war.

Gehen die Einkommen zurück, wechseln Führungskräfte! Machen MLM-Unternehmen Fehler, wechseln die Führungskräfte! Meldet sich das Ego zu Wort, weil Karrierepositionen nicht erreicht werden, wechseln Führungskräfte! Die Hemmschwelle oder letztendliche Initialzündung ein Unternehmen zu verlassen, liegt bei der einen Führungskraft höher, bei der anderen niedriger.

Befeuert wird die Schnelllebigkeit und „MLM-Söldnerei“ allerdings auch durch Moneydeals seitens der Firmen, die „Recruiter“, also die Torjäger der Branche, mit Summen locken, die sich monatlich zwischen 20.000 und 60.000 Euro bewegen können. Als Bonus gibt es dann obendrein ein „Powerleg“ mit zig Millionen Punkten, die abgearbeitet werden können und wiederum Millionen bringen können.

Das Perpetuum mobile der Abwerbung wird also von zahlreichen, oder so gut wie allen am Markt agierenden Unternehmen initiiert, die durch „Moneydeals“, quasi die Abwerbung bei anderen Unternehmen in Auftrag geben und sich anschließend mit „Ethik-Awards“ auszeichnen lassen. Ein raues Klima herrscht also hinter den Kulissen der heilen Außenwelt des MLM, die auf den Grundfesten der Freiheit, Brüderlichkeit und Einigkeit zu fundieren scheint.

Stimmt das Geld allerdings nicht mehr oder kommt es in der Folge zur Zerrüttung, ist es vorbei mit der Brüderlichkeit und man begibt sich auf das Schlachtfeld der verbalen Schuldzuweisungen und steinigt diejenigen, die zuvor die Abgeworbenen wieder abwerben.

Der Krypto-Hype ist eine Herausforderung für alle MLM-Unternehmen

Aber der „Fall“ Wittke hat eine ganz andere Brisanz, die rein rechtlicher Natur ist und für die gesamte Branche interessant sein dürfte. Da ein „Krypto-Vertriebssystem“ eigentlich kein Konkurrenzprodukt zu einem Vertrieb mit Nahrungsergänzungen hat, stellt sich die Frage, ob überhaupt ein Wettbewerbsverhältnis besteht und somit die prinzipielle Kündigung aus der Begründung heraus ein zweites „Network“ zu betreiben überhaupt zulässig ist.

Da momentan innerhalb der Branche der „Krypto-Hype“ nicht wegzudiskutieren ist, müssen klassische MLM-Unternehmen geeignete rechtliche Mittel finden, um sich gegen Abwerbungen, Unterwanderung und „Scheckwedelei“ zu schützen, was sicherlich für einige Herausforderungen bei den auf MLM-Recht spezialisierten Anwaltssozietäten und Advokaten zahlreicher MLM-Firmen sorgen wird.

Eines ist klar! Klassische Produkt-Networks scheinen ganz allgemein momentan unter der neuen „Kryptowelle“ zu leiden, denn so gut wie alle Systeme aus diesem Genre sind entweder getarnte Pyramidensysteme oder sogar Ponzisysteme, die sich aus den Einzahlungen der Neurekruten nähren.

Verkauft wird eigentlich bei den meisten Systemen nichts, Geld eingesammelt wird im großen Stil und dafür gibt es dann entweder wertlose Tokens, manipulierte Wertsteigerungen von Kryptocoins, die als kommende Weltleitwährung gehandelt werden und beim schlichten „Geist“ ein Blitzlichtgewitter der Verzückung in der Kleinhirnrinde auslöst, weil man nun selbst vom digitalen Goldrausch und Bitcoin-Boom partizipieren kann.

Es wird also spannend und der Vertriebslärm um ein weiteres „Krypto-System“ wird zunehmen, der Widerstand aller Wahrscheinlichkeit nach allerdings auch.

Die Spiele mögen beginnen

Wie hieß es so schön im alten Rom! Ludi incipiant, die Spiele mögen beginnen! Ob allerdings die gewählte Teambezeichnung mit dem Namen „Centurion“ in der Konsequenz die richtige Wahl war, bleibt abzuwarten, erhöht aber irgendwie den Spannungsbogen und verleiht dem ganzen Szenario gleichweg etwas Mystisches.

In dem gleichnamigen Historienepos von 2010 wird der Niedergang der neunten Römischen Legion in Britannien thematisiert, die im Film nicht nur komplett vernichtet wurde, sondern deren Niederlage aus allen Aufzeichnungen auf Anweisung des Statthalters Agricola getilgt wurde.

Andererseits war die „Legio VIIII Hispana“ eine Legion der römischen Armee, die von der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. existierte. Sie zählt zu den ältesten Legionen, die im Kaiserreich fortbestanden. Das Emblem der Legio VIIII Hispana ist unbekannt; aufgrund der Analogie zu anderen Legionen ihres mutmaßlichen Gründers Gaius Julius Caesar könnte es jedoch ein Stier gewesen sein.

Geschichte und Gegenwart liegen manchmal ganz dicht beieinander, aber erst die Zukunft wird zeigen, ob das, was wir heute meinen, vermuten oder zu wissen glauben auch wirklich eintritt.

 

Ihre Meinung interessiert uns!

Werden „Kryptovertriebe“ überleben oder kommt die große „Crashwelle“ mit hunderttausend geschädigten Einzahlern?

Müssen MLM-Unternehmen künftig „Moneydeals“ bekanntgeben, damit mehr Transparenz und Chancengleichheit in der Branche einkehrt?

Sollten Führungskräfte sich zum höchstmöglichen Preis vermarkten?

 

Jetzt auf Facebook Kommentar abgeben

Foto: Copyright Jörg Wittke