Ist Vemma ein illegales Pyramidensystem?

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Die FTC hat zugeschlagen und klagt Vemma an ein illegales Pyramidensystem zu betreiben. Am 21. August 2015, um exakt 14.00 Uhr Ortszeit in Arizona, schlug die Federal Trade Commission, eine allmächtige amerikanische Bundesbehörde für Verbraucherschutz, mit aller Härte gegen das MLM Unternehmen Vemma mit einer gerichtlichen Verfügung zu. Die Webseite des Unternehmens wurde blockiert, Berater kommen nicht mehr in das Backoffice, sämtliche Konten und Vermögenswerte wurden scheinbar weltweit eingefroren und die MLM-Konkurrenz übt sich teilweise in klammheimlicher Schadenfreude.

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Aber Achtung! Dieser mit aller Macht geführte Angriff auf Vemma könnte weitreichende Konsequenzen für die gesamte MLM-Branche haben, wenn die FTC Recht bekommen sollte und damit einen Präferenzfall schaffen kann. Der 21. August 2015 war mit Sicherheit kein guter Tag für Vemma Gründer und CEO, BK Boreyko, der bezichtigt wird, ein illegales Pyramidensystem zu betreiben. Ärger mit den US-Behörden sind die Boreykos allerdings gewohnt, denn der Familienclan ist schon lange im Geschäft und kennt alle Höhen und Tiefen, die das MLM aus Firmensicht zu bieten hat.

Im Jahr 1994 gründeten die Boreykos das Unternehmen New Vision, das ebenfalls in der Vergangenheit von der Federal Trade Commission angeklagt wurde, irreführende Werbeaussagen zu machen, nachdem das Unternehmen und Vertriebspartner behauptet hatten, die eigenen Produkte könnten ADHS heilen. Es gab hierzu weitreichende Verfügungen, worin vielleicht auch der Grund für den massiven Angriff der FTC zu suchen ist. Aus New Vision entstand Vemma und innerhalb von zehn Jahren konnte ein kometenhafter Umsatzanstieg auf 200 Millionen Dollar in 2014 proklamiert werden.

Der Fall Vemma betrifft die gesamte Network Marketing Branche

Fassen wir zusammen! In der Unternehmensführung von Vemma sind keine Amateure zu finden, die die rechtlichen Risiken eines MLM-Unternehmens nicht kennen würden. Das Unternehmen vertreibt real existierende Verbrauchsprodukte über ein im MLM übliches Abo-System und bietet zudem verschiedene „Start-Einstiegsvarianten“, sogenannte Starterpakete, für die Erstbestellung an. Hat der Berater ein aktives eigenes Nutrition-Abonnement, ist er für Provisionen aus der unter ihm entstandenen Vertriebsorganisation qualifiziert. Beide Varianten, sowohl das „Starterpaket“ als auch die an ein eigenes Abo gebundene Qualifikation für Provisionen, sind alltägliche MLM-Praxis und somit in fast allen bekannten MLM-Unternehmen anzufinden.

Die Anklagepunkte der Federal Trade Commission im Überblick

Die von der FTC ins Feld geführten Argumente betreffen in der Konsequenz viele MLM-Unternehmen, insofern ist der Vorstoß der Bundesbehörde als äußerst bedrohlich einzustufen. Im Kern werden Vemma falsche Einkommensversprechungen respektive fehlende Hinweise auf effektive und tatsächliche „Einkommensmöglichkeiten“ vorgeworfen, die Täuschung von Verbrauchern, das Ködern junger Leute mit Einstiegsinvestitionen in Höhe von 500 bis 600 Dollar, also die Rekrutierung an sich und im Weiteren wird der Vorwurf unterstrichen, dass Berater sich mit monatlichen Abo-Abnahmen qualifizieren müssen und dadurch Verluste erleiden. Ein weiteres Argument ist, das Vemma durch die waltende Psychologie des Systems, es überwiegend auf die Rekrutierung neuer Geschäftspartner anlegt und nicht auf die Gewinnung von Kunden. Hier gilt sogar eine 70 / 30 Regel, die im Amway Urteil von 1979 definiert wurde. In der Konsequenz qualifiziert die FTC Vemma somit auf der Grundlage dieser Feststellungen als illegales Pyramidensystem.

Sollte die FTC mit seiner Klage Recht bekommen, dann ist mit weiteren massiven Attacken auf andere MLM Unternehmen zu rechnen. Die erste Anhörung findet am 3. September im Gerichtssaal in Phoenix, Arizona, USA, statt und hier entscheidet sich, ob Vemma weitermachen kann oder nicht. Sollte es zu einem Vergleich kommen, dann hat Vemma einige Hausaufgaben zu erledigen und muss sicherlich massive Korrekturen vornehmen, um das eigene Geschäftsmodell abzusichern.

Aber kommen wir noch einmal zum Thema „Schadenfreude“ gegenüber Vemma, denn die ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht, sondern eher leichtsinnig, da es zahlreiche Unternehmen am Markt gibt, die mit den genannten Argumenten der FTC ähnliche Probleme bekommen könnten. Und in der Causa Vemma sollte jeder das Sprichwort beherzigen: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“! Hier ist, sofern man selbst im Network Marketing tätig ist, übergeordnete Solidarität gefragt, denn schon morgen kann es auch andere Unternehmen erwischen, die ähnliche Vorgehensweisen der Berater dulden.

Vemma stand in letzter Zeit häufig medial im Kreuzfeuer der Kritik und hat scheinbar die subtilen Warnzeichen nicht erkannt. Die Lektion der FTC hat aber mit Sicherheit gesessen und ist auch zugleich ein eindeutiges Signal für die gesamte MLM-Industrie, das eigene Geschäftsmodell, die eigenen Taktiken und Strategien permanent zu durchleuchten und rechtlich immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Die Risiko-Präventions-Checkliste für Unternehmen

  • Rekrutierung von Partnern steht im Vordergrund
  • Weniger Kunden als Vertriebspartner
  • Führungskräfte machen unqualifizierte Einkommensversprechen
  • Heilaussagen werden gefördert oder geduldet
  • Abo-Abnahmeverpflichtungen, damit Provisionen ausbezahlt werden (ist nicht verboten)
  • Verkauf von Starterpaketen, um höhere Titel oder Provisionen zu erhalten

Trotz allem sollten alle Mitbewerber Benson K. Boreyko und Vemma die Daumen drücken, damit entsprechende Korrekturen vorgenommen werden können, sonst könnte der Wind für viele MLM-Unternehmen zukünftig extrem rauer werden. Dass die FTC eine äußerst mächtige und rigide Bundesbehörde mit über 1.200 Mitarbeitern und weitreichenden Kompetenzen ist, die nicht mit den Verbraucherverbänden in Europa zu vergleichen ist, scheint auf jeden Fall festzustehen.

Vemma scheint Fehler gemacht zu haben, aber es gibt da draußen ganz andere Unternehmen, kriminelle Führungskräfte und dubiose Ponzi-Geschäftsmodelle, wo man sich fragt, warum eigentlich niemand die Unternehmen schließt oder warum die CEO´s nicht direkt auf der Stelle verhaftet werden. Und viele dieser Unternehmen betreten aus genau diesem Grund kein amerikanisches Terrain.

Hier geht es zur Federal Trade Commission

Hier geht es zum Unternehmensprofil von Vemma

 

 

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