JRJR-Networks-Chapter-11

JRJR Networks I Chapter 11 nach Longaberger-Prozeß eingeleitet.

Das 2012 von dem Texaner John P. Rochon gegründete Holding-Unternehmen JRJR Networks (vormals CVSL) hat am 29. Juni 2018 ein Konkursverfahren nach Chapter 11 eingeleitet, nachdem ein Prozess gegen Tami Longaberger in Höhe von 2,1 Millionen Dollar verloren wurde. Das Unternehmen hatte sich darauf spezialisiert notleidende, marode und gestrauchelte Direktvertriebs- und Network-Marketing-Unternehmen günstig aufzukaufen und unter dem Dach von JRJR fortzuführen.

Totengräber zahlreicher Direct-Selling-Unternehmen

Das Firmencredo auf der Webseite des nun bankrotten Unternehmens aus Texas klang verheißungsvoll und begann mit lobenden Worten:

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„JRJR Networks ist ein einzigartiges Portfolio von Direct-to-Consumer-Marken, das von einem erfahrenen Management-Team geleitet wird, das einen langfristigen Prozess zum Erwerb von Marken in diesem Sektor und zur Maximierung der Erträge für die Aktionäre verfolgt“

Immerhin hat es JRJR Networks geschafft, mit dem in den letzten Jahren zusammengekauften Firmenkonglomerat in 2014 einen Umsatz in Höhe von 140 Millionen Dollar zu erzielen und Platz 84 unter den TOP 100 DSN-Companies zu belegen.

2014 waren knapp 60.000 Vertriebspartner und 580 Angestellte verschiedenster Unternehmen unter dem Dach der texanischen Firma vereint. Immer wieder hat es JRJR Networks geschafft marode Direct-Selling-Unternehmen aufzukaufen und an der Börse unter dem eigenen Holding-Dach zu monetarisieren.

Die Totenliste aus dem JRJR Portfolio im Überblick

  • Agel (Webseite geschlossen)
  • Kleeneze +
  • Betterware +
  • Longaberger +
  • Tomboy Tools
  • Paperly +
  • Uppercase living +
  • Your Inspiration At Home +
  • Happenings
  • My Secret Kitchen +

Es könnte ein Comeback von JRJR Networks geben

Zahlreiche von JRJR Networks übernommene Direktvertriebsunternehmen siechen entweder vor sich hin oder sind quasi nicht mehr existent. Das Konzept scheint zwar eindeutig gescheitert zu sein, aber Chapter 11 bietet die Möglichkeit der Reorganisation ohne das Gläubiger in das Vermögen der Gesellschaft vollstrecken können insofern könnte es den Machern gelingen ein Comeback vorzubereiten.

Wenn eine Unternehmung in Insolvenz verfällt, wenn also die Summe ihrer Verbindlichkeiten die Summe ihrer Werte übersteigt, so hat das Unternehmen nach dem Insolvenzrecht der Vereinigten Staaten dies dem dortigen Bundesinsolvenzgericht (federal bankruptcy court) zu melden.

Es stehen ihm dann grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen:

das Unternehmen reicht seinen Fall unter „Chapter 7“ (Liquidation) ein (engl. to file under chapter 7)

es beantragt eine Insolvenz nach „Chapter 11“ (Reorganisation) (engl. to file under chapter 11).

Die individuelle Restrukturierung der Schulden ist in „Chapter 13“ geregelt.

Die beiden Verfahren unterscheiden sich deutlich voneinander. Während eine Einreichung unter Chapter 7 zur Folge hat, dass eine vollständige Liquidation des Unternehmens in die Wege geleitet wird, also alle Unternehmenswerte umgehend veräußert werden, um mit dem Erlös die Gläubiger des Unternehmens zu befriedigen, führt ein Verfahren gemäß Chapter 11 zu einer beaufsichtigten Insolvenz.

Während der Dauer der Insolvenz dürfen Gläubiger nicht versuchen, ihre Forderungen geltend zu machen, es sei denn über das Insolvenzgericht. Bei dieser Regelung versucht das Unternehmen, weiterhin geschäftstätig zu bleiben und sich dadurch aus der Insolvenz „zu retten“.

Ein Unternehmen, das nach Chapter 11 Insolvenz beantragt, strebt eine Reorganisierung und Restrukturierung seiner Schulden, Leasingvereinbarungen, Kontrakte, sowie seines Kapitals und anderweitiger finanzieller Verpflichtungen an. Mit dem Insolvenzantrag nach Chapter 11 sollen bis zum Abschluss der Reorganisation rechtliche Schritte der Gläubiger gegen den Schuldner unterbunden werden. Viele große US-Unternehmen haben erfolgreich eine Umstrukturierung nach Chapter 11 durchgeführt und dabei ihr Tagesgeschäft aufrechterhalten. So führen z. B. Fluglinien unter Chapter 11 ihren Flugbetrieb weiter.

Chapter 11 stellt also eine Erleichterung und einen Schutz für die Unternehmensumstrukturierung dar. Die Gläubiger müssen sofort ihre Zwangsvollstreckungsmaßnahmen einstellen, was dem Unternehmen Luft für Restrukturierungsmaßnahmen verschafft.

Chapter 11 dient auch dazu, um eine Vereinbarung mit einem Geldgeber (creditor) für alle anderen Gläubiger verbindlich zu machen. Wenn das Unternehmen zusätzliche Liquidität benötigt, kann ein neuer Geldgeber einen höheren Rang für die Rückzahlung (a higher priority payback) oder dringliches Sicherungsrecht (lien) erhalten, als ohne Chapter 11. Chapter 11 sichert also die weitere Finanzierung des Unternehmens ab.

Häufig müssen die Anteilseigner des insolventen Unternehmens nach Abschluss der Insolvenz entschädigungslos auf ihre Rechte am Unternehmen verzichten, da das Gericht alle Altverbindlichkeiten des Unternehmens und Rechte an ihm aufhebt (engl. rights and interests are being terminated). An die Stelle der Alteigentümer rücken dann anteilig die Gläubiger, entsprechend ihrem Anteil an den Gesamtverbindlichkeiten.

Oft übersteigen die Verbindlichkeiten das Unternehmensvermögen, so dass am Ende des Insolvenzverfahrens die bisherigen Eigentümer mit leeren Händen dastehen, während die bisherigen Gläubiger zu den neuen Besitzern des umstrukturierten Unternehmens geworden sind und hoffen, dass es finanziellen Erfolg hat, um ihre finanziellen Verluste auszugleichen.

Das Insolvenzgericht kann zudem einen Teil oder alle Schulden des Unternehmens streichen und seine Verträge aufheben, damit es einen „Neustart“ machen kann. Typischerweise werden durch das Gericht ungesicherte Forderungen und, falls dies für das Unternehmen vorteilhaft erscheint, auch Tarifverträge und langfristige Gebäudemieten aufgehoben.

Eine Einreichung unter Chapter 11 hat weiter zur Folge, dass die Aktien des Unternehmens – sofern es eine Aktiengesellschaft ist, deren Aktien zuvor an der NYSE öffentlich gehandelt wurden – nun an der NASDAQ gehandelt werden. Solche insolvente Aktiengesellschaften sind durch ein „Q“ vor der Unternehmensabkürzung zu erkennen.