Talk-Fusion-Bob-reina

Am 26.11.2015 wurde unter dem Aktenzeichen 15CV2665LAB JLB eine Sammelklage gegen die Unternehmen Talk Fusion Inc., Talk Fusion International Inc., Mane Fusion International Inc. in Oregon und gegen Bob Reina, Florida, am United States District in Kalifornien eingereicht.

Die 110 Seiten starke Klageschrift mit 200 zusätzlichen Anhängen wurde von der auf MLM-Recht spezialisierten Kanzlei Geoffrey J. Spreter aus San Diego, Kalifornien, eingereicht, in der schwere Geschütze gegen Talk Fusion aufgefahren werden.


Den Beklagten wird im Kern vorgeworfen ein illegales Pyramidensystem zu betreiben, dass in erster Linie auf die Anwerbung neuer Vertriebspartner ausgerichtet ist und aufgrund seiner Preisstruktur nicht geeignet sei, echte Kunden zu akquirieren. Die Klageschrift ist gut und detailliert strukturiert, wie auch der MLM-Staranwalt Kevin Thompson von Thompson Burton anmerkt.

Spreter wirft den Beklagten vor in betrügerischer Absicht und unter Vortäuschung falscher Tatsachen ein getarntes Pyramidensystem zu betreiben, was den sogenannten RICO-Betrug (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations) begründen könnte, ein Straftatbestand, der gegeben ist, wenn sich maßgebliche Insider oder Initiatoren absprechen und das gegenseitige betrügerische Verhalten decken oder verschleiern.

Ähnlich wie im Fall Vemma werden interne aggressive Rekrutierungsmechanismen und Einkommensversprechungen, als klare Indizien bewertet, dass es sich bei Talk Fusion um ein illegales Pyramidensystem handelt. Spreter geht einen Schritt weiter und behauptet in seinem Schriftsatz: „Im Gegensatz zu legitimen MLM-Unternehmen, die angemessene Marktpreise für ein Produkt ausweisen, sind Talk Fusion Preise im Marktvergleich so hoch, dass es quasi unmöglich ist, echte Kundenumsätze zu erzielen.“

Sicherlich auch eine Anspielung auf die 1.499 Dollar teuren Pro Pakete, die zusätzlich noch an den Vorteil gekoppelt zu sein scheinen, höhere Provisionen erzielen zu können, wenn man selbst ein solches Paket erworben hat. Im Kreuzfeuer der Kritik und als Beweismittel dafür aufgeführt, dass die Rekrutierung neuer Partner im Vordergrund steht, ist das interne „Go Diamond in 200 Tagen“ Programm. Hier werden die üblichen Lockreizargumente verwendet, wie Partner 2.500 Dollar wöchentlich verdienen können, an Traumurlauben in Hawaii teilnehmen können, eine Rolex und einen Mercedes Car Bonus erhalten.

Sollte ein Partner also die Position eines Diamond nicht durch den Verkauf von Produkten erreichen können, weil Kunden angeblich kein Interesse an überteuerten Talk Fusion Produkten zeigen, dann wäre das System eindeutig und lediglich auf die Gewinnung von neuen Vertriebspartnern ausgelegt und somit würde de facto nur die Rekrutierung neuer Partner dazu führen, eine Diamond Position innerhalb des Karriereplanes zu erreichen, um in den Genuss genannter Vorteile zu kommen.

Im Gegensatz zu MLM-Unternehmen, die reale Produkte verkaufen und sich in den argumentativen Fluchtkorridor begeben können, dass Berater große Warenmengen einkaufen, um diese wieder mit Gewinn verkaufen zu können und es aus diesem Grund als Unternehmen nicht möglich sei eine Auswertung der real existierenden Endkunden beizubringen, scheint dieser rechtliche Fluchtweg für Talk Fusion versperrt zu sein.

Für ein Hightech-Unternehmen wie Talk Fusion wird es nicht möglich sein, das Kaufverhalten von Geschäftspartnern und Kunden zu retuschieren. Auf Knopfdruck wird es für Ermittlungsbehörden einfach sein, den prozentualen Anteil der Umsätze und das Nutzerverhalten von echten Kunden darzustellen. Sollte Talk Fusion den Umsatz mit echten Kunden nicht definieren können, dann könnte Gründer Bob Reina schnell in die Defensive geraten.

Der Fall befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium und Talk Fusion kann und wird alle Verteidigungsmaßnahmen einleiten, damit der Klage nicht stattgegeben wird.
Sollte die Klage allerdings zugelassen werden, dann würde das Gericht der Argumentation von Spreter folgen und man muss sich dann die Frage stellen, ob alle Umsätze, die Talk Fusion in der Vergangenheit erzielt hat illegale Pyramidenumsätze waren, die eventuell rückzahlbar wären.

Ob hiervon dann auch Führungskräfte betroffen wären, die sich in erster Linie auf den Verkauf großer und mehrfacher Rekrutierungspakete verstanden haben und sich somit durch Vortäuschung falscher Tatsachen, wie es Spreter formuliert, bereichert haben, bleibt abzuwarten. Mit Sicherheit wirft sich hier ein weiterer interessanter Aspekt zum Thema der internationalen Durchgriffshaftung auf.

Zumindest ist diese Klage und ein eventuell anstehender Prozess, insofern interessant, da die Unternehmenskultur, Seriosität und Legalität von Talk Fusion nun öffentlich zur Diskussion und auf dem Prüfstand steht. Verteidigt wird Talk Fusion von der Sozietät Lawrence Steinberg, der auch die Interessen von Jeunesse in einem anderen Rechtsstreit vertritt. Hier wurde gegen das Beautyunternehmen aus Florida von Kevin Thompson Klage eingereicht.

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Kommentare von Kevin Thompson

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