Tupperware-Crash-2020

Tupperware I Crash 2020

Beim Kult-Unternehmen Tupperware herrscht Krisenstimmung. Umsatzrückgänge, hohe Schulden, angebliche Bilanzmanipulationen und eine verschärfte Konkurrenzsituation durch Billiganbieter im klassischen Handel sowie auch im Internet, haben zu einem Aktiencrash von über 97 Prozent seit dem Höchststand Ende 2013 geführt. Da stellt sich die Frage, ob das Aus für die Tupperparty kommt?

Anleger haben 97 Prozent verloren

Die Aktien des Traditionsunternehmens sind in den letzten vier Monaten um rund 80 % gefallen, im vergangenen Jahr um 90 % und gegenüber dem Höchststand (95,29 Dollar) von Ende 2013 um insgesamt 97,45 Prozent Stand März 2020. Hier lag der Tiefstkurs bei 2,43 Dollar.


Wer also Anfang 2014 rund 100.000 Dollar in die Aktie des Kultschüsselherstellers investierte musste einen Verlust in Höhe von 97.450 Dollar hinnehmen und kann nur noch auf ein zusammengeschmolzenes Restvermögen in Höhe von 2.550 Dollar in seinem Depot blicken.

Schulden in Höhe von 300 Millionen Dollar sind kritisch

Auch hohe Schulden plagen Tupperware. Eine Anleihe und weitere Schulden in Höhe von 300 Millionen Dollar müssen wohl 2021 refinanziert werden. Die Frage ist nur zu welchen Konditionen und Rahmenbedingungen. Selbst wenn es Tupperware gelingt, einen weiteren Umsatzrückgang zu verhindern und einen freien Cashflow von rund 60 bis 75 Millionen US-Dollar pro Jahr aufrechtzuerhalten, würde dies immer noch 7 bis 10 Jahre dauern, um nur den Kapitalbetrag der Anleihe zurückzuzahlen.

Kommt das Aus der Tupperparty?

Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass es ein Leben ohne Tupperparty geben wird. Nicht für die zahlreichen Stammkunden, noch für die zahlreichen Vertriebspartnerinnen, die nicht nur auf einen Nebenverdienst setzen, sondern auch die Produkte und ihr Partybusiness lieben.

Aber die Beraterschaft, der einst unverwüstlich scheinende beständig surrende Motor des Unternehmens, scheint Sand im Getriebe zu haben. Die Umsätze gehen zurück, Provisionen sinken, die Konkurrenz aus China ist knallhart und erbarmungslos.

Vielleicht hat bereits ein Todeskreislauf begonnen, denn das Unternehmen setzt zunehmend auf alternative Vertriebswege, sowie auf ein diversifiziertes Produktportfolio und macht damit wohl oder übel Geschäfte vorbei am bestehenden Vertrieb.

Tupperware-Earl-Tupper-Brownie-Wise

Tupperware I Earl Tupper & Brownie Wise

Flagshipstores, Kooperationen mit Handelsketten und Online-Direktverkäufe klingen konzeptionell gut und modern, aber haben wenig mit der von Brownie Wise erfundenen Tupperparty zu tun. Die Frage, ob das alte Konzept aus den 50ern ausgedient hat, stellt sich mehr und mehr. Die Zeiten haben sich geändert und auch Tupperware kommt nicht an der Digitalisierung vorbei. Wo aber werden die Beraterinnen künftig ihren Platz finden?

Über 200 Millionen Dollar für Rick Goings

Seit dem Abgang von Rick Goings, der von 1997 bis Mai 2018 CEO und Vorstandvorsitzender des Unternehmens war und in seiner gesamten Amtszeit ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Dollar angehäuft haben könnte, wie Wallstreet-Insider vermuten, geht es ganz steil bergab.

Seit acht Quartalen sinken die Erlöse. Im November 2019 schmiss dann Nachfolge-CEO Tricia Stitzel nach nur 18 Monaten hin. Stitzel, die seit Mai 2018 CEO der Tupperware Brands ist und Goings in dieser Position ablöste, erhielt zudem eine Abfindung in Höhe von 1.983.279 USD, zahlbar in Raten über achtundzwanzig Monate.

Tupperware-Brands-Patricia-Stitzel

Tupperware Brands I Patricia Stitzel mit hoher Abfindung gegangen

Nachfolger Chris O’Leary gilt zwar auch nur als Übergangslösung, erhält aber ein Grundsalär von 1 Million Dollar sowie die Option auf weitere Zusatzboni.

Ungereimtheiten und Manipulationen

Auslöser des letzten Aktiencrash waren Ungereimtheiten bei der Bilanzierung von Fuller in Mexiko. Das Unternehmen befürchtet Sonderbelastungen und Ermittlungen seitens der Aufsichtsbehörden. Eine Gewinnwarnung gab der Aktie vorläufig den Rest.